English: Rhine-Herne Canal / Español: Canal Rin-Herne / Português: Canal Reno-Herne / Français: Canal Rhin-Herne / Italiano: Canale Reno-Herne
Der Rhein-Herne-Kanal ist eine der wichtigsten künstlichen Wasserstraßen Deutschlands und verbindet das Ruhrgebiet mit dem Rhein. Als zentraler Bestandteil der Binnenschifffahrtsinfrastruktur spielt er eine entscheidende Rolle für den Gütertransport, die industrielle Logistik und die wirtschaftliche Entwicklung der Region.
Allgemeine Beschreibung
Der Rhein-Herne-Kanal ist eine 45,6 Kilometer lange Bundeswasserstraße (Klasse Vb nach der Europäischen Binnenwasserstraßen-Klassifikation), die den Rhein bei Duisburg-Ruhrort mit dem Dortmund-Ems-Kanal bei Henrichenburg (Waltrop) verbindet. Er wurde zwischen 1906 und 1914 erbaut und dient primär der Binnenschifffahrt, insbesondere dem Transport von Massengütern wie Kohle, Erzen, Baustoffen und Containern. Die Wasserstraße überwindet einen Höhenunterschied von etwa 36 Metern und verfügt über sechs Schleusen, die den Schiffsverkehr effizient regulieren.
Betrieben wird der Kanal von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), die für Unterhaltung, Ausbau und Verkehrssicherung verantwortlich ist. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt 3,5 Meter, was den Durchgang von Großmotorgüterschiffen (bis 110 m Länge, 11,4 m Breite) ermöglicht. Der Kanal ist ganzjährig befahrbar, wobei im Winter gelegentliche Eisbildung zu Betriebsunterbrechungen führen kann.
Wirtschaftlich ist der Rhein-Herne-Kanal von großer Bedeutung, da er das Ruhrgebiet – eines der größten Industriezentren Europas – mit dem Rhein als zentraler Transportachse verbindet. Er reduziert Transportkosten und entlastet das Straßen- und Schienennetz, was zu einer nachhaltigeren Logistik beiträgt. Zudem dient er als Teil des Europäischen Wasserstraßennetzes (TEN-T) der Anbindung an internationale Handelsrouten.
Technische Details
Der Rhein-Herne-Kanal ist als Scheitelkanal konzipiert, was bedeutet, dass er zwischen zwei Flusssystemen (Rhein und Ems) auf einer höheren geodätischen Ebene verläuft. Die Schleusen sind als Sparschleusen ausgeführt, um den Wasserverbrauch zu minimieren. Die größte Schleuse, die Schleuse Gelsenkirchen, hat eine Nutzlänge von 190 Metern und eine Breite von 12 Metern, was den Durchgang moderner Schubverbände ermöglicht.
Die Brücken über den Kanal sind für eine lichte Höhe von mindestens 9,10 Metern ausgelegt, um den Durchgang beladener Schiffe zu gewährleisten. Die Uferbefestigungen bestehen überwiegend aus Spundwänden und Beton, um Erosion und Undichtigkeiten zu verhindern. Für die Wasserstandsregulierung sorgen Pumpwerke und Stauanlagen, die bei Bedarf Wasser aus dem Rhein oder dem Baldeneysee (einem Stausee der Ruhr) zuführen.
Historische Entwicklung
Der Bau des Rhein-Herne-Kanals begann 1906 als Reaktion auf die wachsende Industrialisierung des Ruhrgebiets, das dringend eine effiziente Transportverbindung zum Rhein benötigte. Die Planung erfolgte durch den preußischen Wasserbauingenieur Ludwig Franzius, der bereits den Dortmund-Ems-Kanal entworfen hatte. Die Bauarbeiten gestalteten sich aufgrund des unebenen Geländes und der notwendigen Erdbewegungen (ca. 30 Mio. m³) als aufwendig.
1914 wurde der Kanal fertiggestellt, doch der Erste Weltkrieg verzögerte seine volle Inbetriebnahme. In den 1920er-Jahren entwickelte er sich zu einer zentralen Schifffahrtsroute, insbesondere für den Kohletransport aus dem Ruhrgebiet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Kanal durch Bombenangriffe schwer beschädigt, doch bereits 1949 war er wieder voll nutzbar. In den folgenden Jahrzehnten erfolgte eine schrittweise Modernisierung, darunter der Ausbau der Schleusen und die Vertiefung des Fahrwassers.
Anwendungsbereiche
- Gütertransport: Der Kanal ist eine Hauptroute für den Transport von Kohle, Stahl, Chemikalien und Baustoffen zwischen dem Ruhrgebiet und den Rheinhäfen. Rund 10–12 Millionen Tonnen Güter werden jährlich befördert.
- Industrielle Logistik: Viele Unternehmen entlang des Kanals, darunter Stahlwerke und Raffinerien, nutzen ihn für die Anlieferung von Rohstoffen und den Abtransport von Fertigprodukten.
- Containerverkehr: Durch die Anbindung an Terminals wie das Duisburger Hafen (größter Binnenhafen Europas) spielt der Kanal eine Rolle im intermodalen Verkehr zwischen Schiff, Bahn und LKW.
- Tourismus und Freizeit: Neben der wirtschaftlichen Nutzung wird der Kanal für Ausflugsschifffahrt und Wassersport (z. B. Kanufahren) genutzt.
Bekannte Beispiele
- Schleuse Herne-Ost: Eine der meistbefahrenen Schleusen des Kanals, die täglich bis zu 50 Schiffe passieren. Sie verbindet den Kanal mit dem Datteln-Hamm-Kanal.
- Hafen Gelsenkirchen: Ein wichtiger Industriehafen am Kanal, der vor allem für die chemische Industrie (z. B. BP Gelsenkirchen) von Bedeutung ist.
- Duisburger Hafen: Der Endpunkt des Kanals am Rhein, der als Drehscheibe für den europäischen Binnenschiffsverkehr dient.
Risiken und Herausforderungen
- Wasserstandsprobleme: Bei anhaltender Trockenheit oder niedrigen Rheinwasserständen kann die Befahrbarkeit eingeschränkt sein, was zu Transportverzögerungen führt.
- Infrastrukturerhaltung: Die Alterung der Schleusen und Uferbefestigungen erfordert regelmäßige Sanierungen, die mit hohen Kosten verbunden sind.
- Umweltbelastung: Durch den Schiffsverkehr und industrielle Einleitungen kann es zu Gewässerverschmutzungen kommen, die ökologische Maßnahmen erfordern.
- Konkurrenz durch andere Verkehrsmittel: Der Ausbau von Straßen und Schienen kann langfristig die Attraktivität der Binnenschifffahrt mindern.
Ähnliche Begriffe
- Dortmund-Ems-Kanal: Eine weitere wichtige Wasserstraße im Ruhrgebiet, die den Rhein-Herne-Kanal mit der Ems und dem Mittellandkanal verbindet.
- Mittellandkanal: Die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands, die von der Ruhr bis zur Elbe führt und Teil des europäischen Wasserstraßennetzes ist.
- Scheitelhaltung: Ein Abschnitt eines Kanals, der zwischen zwei Gefällestrecken auf höherem Niveau verläuft (wie beim Rhein-Herne-Kanal).
Zusammenfassung
Der Rhein-Herne-Kanal ist eine unverzichtbare Wasserstraße für die Logistik und Wirtschaft des Ruhrgebiets. Als Verbindung zwischen Rhein und Dortmund-Ems-Kanal ermöglicht er den effizienten Transport von Gütern und entlastet andere Verkehrswege. Trotz Herausforderungen wie Wasserstandsschwankungen und Infrastrukturkosten bleibt er ein zentraler Bestandteil der deutschen Binnenschifffahrt und trägt zur nachhaltigen Mobilität bei.
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