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Amazon Logistics ist der hauseigene Logistikdienstleister des US-amerikanischen E-Commerce-Konzerns Amazon, der seit 2015 schrittweise in Deutschland ausgebaut wird. Das System umfasst die Abwicklung von Paketzustellungen, Lagerhaltung und Transportnetzwerken, um die Lieferketten des Unternehmens zu optimieren und von externen Dienstleistern wie DHL oder Hermes unabhängig zu werden.

Allgemeine Beschreibung

Amazon Logistics (offiziell oft als AMZL abgekürzt) bezeichnet das interne Logistiknetzwerk von Amazon, das ursprünglich als Ergänzung zu bestehenden Partnerschaften mit Paketdiensten konzipiert wurde. Mit der Zeit entwickelte es sich zu einem eigenständigen, global agierenden Zustellsystem, das in Deutschland seit 2015 aktiv ist und seither kontinuierlich ausgebaut wird. Kern des Konzepts ist die letzte Meile (engl. last mile), also die direkte Zustellung von Paketen an Endkunden, die traditionell durch lokale Postdienste oder Kurierdienste abgewickelt wird.

Das System basiert auf einem dezentralen Lager- und Verteilerkonzept, bei dem regionale Fulfillment-Center (Logistikzentren) als Knotenpunkte dienen. Diese sind strategisch in der Nähe von Ballungsräumen platziert, um Lieferzeiten zu minimieren. Amazon setzt dabei auf eine Mischung aus eigenen Fahrzeugen, subunternehmerischen Zustellpartnern (sog. Delivery Service Partners, DSP) und technologischen Lösungen wie KI-gestützter Routenplanung oder Lieferdrohnen (in Testphasen). In Deutschland kooperiert Amazon Logistics zudem mit lokalen Subunternehmern, die als selbstständige Paketdienstleister unter dem Amazon-Brand agieren.

Ein zentrales Merkmal ist die Integration in das Amazon-Ökosystem: Kunden erkennen AMZL-Lieferungen an der typischen blauen Verpackung und der Tracking-Nummer, die über die Amazon-App oder -Website in Echtzeit verfolgt werden kann. Das System ist eng mit Diensten wie Amazon Prime verknüpft, das garantierte Lieferzeiten (z. B. "am nächsten Tag") verspricht. Kritiker bemängeln jedoch die Arbeitsbedingungen bei Subunternehmern sowie die Marktverdrängung traditioneller Logistikunternehmen.

Rechtlich operiert Amazon Logistics in Deutschland über Tochtergesellschaften wie die Amazon Transportation GmbH (gegründet 2016, Sitz in München), die für die Koordination der Transportnetze verantwortlich ist. Die Expansion des Dienstes führte zu einer Zunahme der Paketvolumina im deutschen Markt: Laut Bundesnetzagentur stieg der Anteil von Amazon an allen Paketsendungen in Deutschland von etwa 10 % (2015) auf über 20 % (2023), wobei AMZL einen erheblichen Teil davon abwickelt.

Technische und operative Details

Die technische Infrastruktur von Amazon Logistics basiert auf automatisierten Sortieranlagen in den Fulfillment-Centern, die Pakete nach Größe, Gewicht und Zielregion vorselektieren. Für die Zustellung kommen elektrische Lieferfahrzeuge (z. B. Mercedes-Benz Sprinter oder Renault Kangoo Z.E.) zum Einsatz, die in einigen Städten wie München oder Berlin bereits flächendeckend genutzt werden. Ergänzt wird das Netz durch Mikro-Depots in Stadtzentren, die als Umschlagpunkte für die letzte Meile dienen.

Ein weiteres Kernelement ist das Amazon Flex-Programm, bei dem privat angestellte Fahrer:innen (ähnlich wie bei Uber) Pakete mit eigenen Fahrzeugen zustellen. Diese "Gig-Worker" werden über eine App gesteuert und erhalten Aufträge nach Verfügbarkeit. Die Bezahlung erfolgt pro Zustelltour, wobei die Konditionen häufig kritisiert werden (z. B. fehlende Sozialleistungen). Für die Routenoptimierung nutzt Amazon Algorithmen, die Wetterdaten, Verkehrsaufkommen und historische Lieferzeiten einbeziehen, um die Effizienz zu steigern.

In Deutschland unterliegt Amazon Logistics den Vorschriften des Paketbeförderungsgesetzes (PaketBG) und der Bundesnetzagentur, die seit 2020 vermehrt die Einhaltung von Arbeitsstandards bei Subunternehmern prüft. Zudem muss das Unternehmen die CO₂-Emissionsziele der EU einhalten, was den Ausbau der E-Flotte vorantreibt. Laut Unternehmensangaben sollen bis 2030 100.000 elektrische Lieferfahrzeuge weltweit im Einsatz sein, davon mehrere tausend in Europa.

Anwendungsbereiche

  • E-Commerce-Lieferungen: Primärer Einsatz für Bestellungen über Amazon.de, inklusive Prime-Lieferungen mit Garantiezeiten (z. B. "Versand am selben Tag").
  • B2B-Logistik: Zustellung von Großhandelsware an Unternehmen (z. B. über Amazon Business), wobei hier oft externe Speditionen eingebunden werden.
  • Rücksendungen: Abwicklung von Retouren über eigene Rückgabezentren, die Pakete prüfen, aufbereiten und zurück ins Lager leiten.
  • Fresh- und Kühllogistik: Zustellung von Lebensmitteln (über Amazon Fresh) in isolierten Transportboxen mit Temperaturüberwachung.
  • Drittpartei-Logistik: Seit 2022 bietet Amazon Logistics auch anderen Händlern an, deren Waren über das AMZL-Netz zu versenden ("Multi-Channel Fulfillment").

Bekannte Beispiele

  • Amazon Air: Eigenes Frachtflugnetz (in Europa u. a. mit Flugzeugen vom Typ Boeing 737-800), das Pakete zwischen Kontinental-Hubs transportiert. In Deutschland wird der Flughafen Leipzig/Halle als zentraler Knoten genutzt.
  • Amazon Scout: Autonome Lieferroboter (seit 2019 in Testphasen), die in den USA und Großbritannien Pakete auf Gehwegen zustellen. In Deutschland noch nicht im Einsatz.
  • Amazon Hub Locker: Selbstbedienungs-Schließfächer in Supermärkten oder Tankstellen, die als Abholstationen für AMZL-Pakete dienen (z. B. in Partnerschaft mit REWE oder Aral).
  • Projekt "Kiva": Robotersystem in Fulfillment-Centern (übernommen durch die Akquisition von Kiva Systems 2012), das Regale automatisch zu Packstationen transportiert und so die Kommissionierung beschleunigt.

Risiken und Herausforderungen

  • Arbeitsbedingungen: Berichte über niedrige Löhne, Zeitdruck und fehlende Tarifbindungen bei Subunternehmern (z. B. durch Investigativrecherchen von ARD oder Correctiv 2021/2022).
  • Umweltbelastung: Trotz E-Flotte führt die Zunahme an Lieferverkehr zu höheren Feinstaubemissionen und Staus in Städten (Studie des Öko-Instituts, 2023).
  • Marktverzerrung: Durch Subventionierung von Prime-Lieferungen entsteht ein unfairer Wettbewerb gegenüber etablierten Paketdiensten wie DHL oder DPD (Kritik des Bundesverband Paket und Expresslogistik, BIEK).
  • Datenmonopol: Amazon nutzt Lieferdaten zur Optimierung eigener Dienstleistungen, was Datenschützer als missbräuchliche Marktmacht einordnen (EU-Kartellverfahren seit 2020).
  • Infrastrukturlasten: Kommunen klagen über zusätzliche Belastung durch Lieferfahrzeuge, ohne dass Amazon ausreichend an der Stadtlogistik-Planung (z. B. Lieferzonen) mitwirkt.

Ähnliche Begriffe

  • Fulfillment by Amazon (FBA): Dienstleistung, bei der Amazon Lagerung, Verpackung und Versand für Drittanbieter übernimmt – oft in Kombination mit AMZL.
  • DHL Parcel: Größter Konkurrent im deutschen Paketmarkt; im Gegensatz zu AMZL ein unabhängiger Logistikanbieter mit flächendeckendem Netz.
  • Last-Mile-Logistik: Oberbegriff für die Zustellung von Paketen an Endkunden; AMZL ist hier ein Akteur unter vielen (neben Hermes, UPS etc.).
  • Dark Stores: Lagerhallen in Stadtzentren, die ausschließlich der Online-Bestellabwicklung dienen (Amazon nutzt diese für Amazon Fresh).
  • Gig Economy: Wirtschaftsmodell, auf dem Programme wie Amazon Flex basieren – gekennzeichnet durch kurzfristige, projektbezogene Beschäftigung.

Zusammenfassung

Amazon Logistics repräsentiert einen grundlegenden Wandel in der Paketlogistik, indem es traditionelle Postdienste durch ein eigenkontrolliertes Netz ersetzt. In Deutschland hat das System seit 2015 deutlich an Bedeutung gewonnen, wobei es durch technische Innovationen (E-Flotte, KI-Routenplanung) und enge Verzahnung mit Amazon Prime die Erwartungen an Liefergeschwindigkeiten neu definiert. Gleichzeitig wirft die Expansion Fragen nach fairen Arbeitsbedingungen, Umweltverträglichkeit und Wettbewerbsneutralität auf. Während Verbraucher:innen von schnellen und transparenten Lieferungen profitieren, steht das Modell in der Kritik, soziale und ökologische Kosten zu externalisieren. Langfristig könnte AMZL den Logistikmarkt weiter umkrempeln – insbesondere, wenn autonome Zustelllösungen wie Drohnen oder Roboter serientauglich werden.

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