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DHL Freight ist ein international agierender Logistikdienstleister, der sich auf den Transport von Stückgut, Teil- und Komplettladungen spezialisiert hat. Als Teil der Deutschen Post DHL Group bietet das Unternehmen Lösungen für den europäischen und globalen Güterverkehr an und verbindet dabei Straßen-, Schienen- und Seetransport. Die Dienstleistungen richten sich primär an Industrie-, Handels- und Logistikunternehmen, die effiziente Lieferketten benötigen.

Allgemeine Beschreibung

DHL Freight ist einer der führenden Anbieter im Bereich des **Landtransports (Road Freight) und des intermodalen Verkehrs in Europa. Das Unternehmen entstand 2002 durch die Fusion der Speditionen Danzas (Schweiz), DHL Solutions (Deutschland) und EuroExpress (Niederlande) und wurde seitdem kontinuierlich ausgebaut. Heute verfügt DHL Freight über ein flächendeckendes Netzwerk mit über 18.000 Mitarbeitenden (Stand: 2023, Quelle: Deutsche Post DHL Group) und bedient mehr als 40 Länder in Europa sowie globale Handelsrouten über Partnerunternehmen.

Ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells ist die Kombination verschiedener Transportmodi (Straße, Schiene, Binnenschiff), um nachhaltige und kosteneffiziente Logistiklösungen anzubieten. Besonders im Fokus stehen dabei CO₂-optimierte Routen und die Nutzung von alternativen Antrieben (z. B. LNG-LKW oder elektrische Zustellfahrzeuge). Das Unternehmen setzt auf digitale Plattformen wie myDHL+ für Sendungsverfolgung und Abrechnung, um Transparenz und Effizienz für Kunden zu erhöhen.

Im Gegensatz zu klassischen Paketdiensten (z. B. DHL Parcel) konzentriert sich DHL Freight auf palettierte Waren, Schwergut und kontraktlogistische Dienstleistungen wie Lagerhaltung oder Wertschöpfungsdienstleistungen (z. B. Kommissionierung). Die Zielgruppe umfasst vor allem B2B-Kunden aus den Branchen Automobil, Konsumgüter, Chemie und Maschinenbau. Durch die Integration in die DHL Group profitiert das Unternehmen von Synergien mit anderen Divisionen wie DHL Global Forwarding (Luft- und Seefracht) oder DHL Supply Chain (Kontraktlogistik).

Dienstleistungsportfolio

Das Angebot von DHL Freight lässt sich in drei Hauptkategorien unterteilen: Standardtransporte, Spezialtransporte und Zusatzservices. Zu den Standardleistungen zählen Stückgut- und Teilladungsverkehre (LTL, Less Than Truckload) sowie Komplettladungen (FTL, Full Truckload) mit festen Laufzeiten. Für zeitkritische Sendungen bietet das Unternehmen Express-Frachtlösungen an, die innerhalb von 24 bis 48 Stunden in Europa zugestellt werden.

Im Bereich der Spezialtransporte deckt DHL Freight Schwer- und Großraumtransporte (bis 100 Tonnen Einzelgewicht) sowie Temperaturgeführte Logistik (z. B. für Pharmazeutika oder Lebensmittel) ab. Hier kommen spezielle Fahrzeugtypen wie Kühlauflieger (mit Temperaturen zwischen -25 °C und +25 °C) oder Tieflader für oversized cargo zum Einsatz. Ergänzt wird das Portfolio durch Gefahrguttransporte (ADR-konform) und Projektlogistik für Industrieanlagen oder Messeaufbauten.

Zu den Zusatzservices gehören Zollabwicklung, Versicherungslösungen und Nachhaltigkeitszertifikate (z. B. CO₂-Kompensation über GoGreen-Programme). Kunden können zudem auf digitale Tools wie DHL Freight Connect (Online-Buchung) oder DHL Freight App (Sendungsmanagement) zugreifen. Für langfristige Partnerschaften bietet das Unternehmen individuelle Logistikkonzepte an, die auf die spezifischen Anforderungen von Branchen wie der Automobilindustrie (Just-in-Time-Lieferungen) oder dem E-Commerce (Retourenmanagement) zugeschnitten sind.

Technische Infrastruktur

Die technische Basis von DHL Freight besteht aus einem Hub-and-Spoke-Netzwerk mit zentralen Umschlagterminals (Hubs) und regionalen Depots (Spokes). In Europa betreibt das Unternehmen über 100 Terminals, darunter große Dreieckshubs wie in Leipzig (Deutschland), Venlo (Niederlande) und Mailand (Italien). Diese Standorte sind strategisch an Autobahnen und Schienenkorridoren gelegen, um kurze Umschlagzeiten zu gewährleisten.

Für den intermodalen Verkehr nutzt DHL Freight Partnerschaften mit Eisenbahnunternehmen wie DB Cargo oder Mercitalia Rail sowie Binnenschiffsoperatoren auf Flüssen wie Rhein, Donau oder Elbe. Ein Beispiel ist die "DHL Rail Connection", die wöchentlich Container zwischen Duisburg (Deutschland) und Warschau (Polen) transportiert. Zur Flotte gehören zudem über 12.000 LKW (Stand: 2023), darunter Megatrailer (bis 25,25 Meter Länge) für den kombinierten Verkehr.

Im Bereich Digitalisierung setzt das Unternehmen auf Echtzeit-Tracking via GPS und IoT-Sensoren (z. B. für Temperatur- oder Stoßüberwachung). Die DHL Freight Plattform integriert KI-gestützte Routenoptimierung und Predictive Analytics, um Lieferzeiten vorherzusagen. Für die Automatisierung von Lagerprozessen werden in ausgewählten Standorten Roboterarme und autonome Gabelstapler eingesetzt.

Anwendungsbereiche

  • Industrielle Lieferketten: DHL Freight organisiert Just-in-Time-Transporte für Produktionsstandorte, z. B. in der Automobilindustrie (Zulieferteile) oder im Maschinenbau (Ersatzteile). Durch feste Tourenpläne und Pufferlager werden Produktionsstillstände vermieden.
  • Konsumgüterlogistik: Für Handelsunternehmen und E-Commerce-Plattformen übernimmt das Unternehmen die Distribution von Palettenware an Filialen oder Endkunden, inklusive Retourenabwicklung und Mehrwegverpackungen.
  • Chemie- und Pharmalogistik: Spezialisierte Transporte für gefährliche Güter (ADR-Klassen) oder temperaturgeführte Arzneimittel (GDP-konform) gemäß EU-Richtlinien.
  • Projektlogistik: Planung und Durchführung von Großtransporten für Industrieanlagen, Windkraftkomponenten oder Messeexponate, oft in Zusammenarbeit mit DHL Industrial Projects.
  • Nachhaltige Logistik: Unternehmen nutzen DHL Freight für CO₂-neutrale Transportlösungen, z. B. durch den Einsatz von Bio-LKW oder die Teilnahme am GoGreen-Programm der DHL Group.

Bekannte Beispiele

  • "DHL Freight EuroConnect": Ein europaweites Netzwerk für Standard-Stückgut mit täglichen Verbindungen zwischen 20 Ländern, das auf feste Laufzeiten (48–72 Stunden) setzt.
  • "DHL Freight Rail": Kooperation mit DB Cargo für wöchentliche Zugverbindungen zwischen Deutschland, Polen und Tschechien, um Straßenverkehr zu reduzieren.
  • "DHL Freight Temperature Control": Transportlösungen für Lebensmittelhersteller wie Nestlé* oder *Unilever, die strenge Kühlketten (z. B. -18 °C für Tiefkühlware) erfordern.
  • "DHL Freight E-Commerce": Spezialservice für Online-Händler wie Zalando oder Amazon, der Palettenware an Fulfilment-Center liefert und Retouren konsolidiert.
  • "DHL Freight Heavy Haulage": Transport eines 300-Tonnen-Transformators von Siemens Energy von Nürnberg nach München (2022) unter Polizeibegleitung.

Risiken und Herausforderungen

  • Kapazitätsengpässe: Der europäische LKW-Markt leidet unter einem Fahrermangel (über 400.000 fehlende LKW-Fahrer in der EU, Quelle: IRU 2023), was zu höheren Frachtraten und Verzögerungen führt.
  • Regulatorische Hürden: Unterschiedliche Zollvorschriften (z. B. nach dem Brexit) oder Mautsysteme (z. B. in Österreich oder Schweiz) erhöhen den administrativen Aufwand für grenzüberschreitende Transporte.
  • Klimaziele: Die EU-Vorgaben zur CO₂-Reduktion (z. B. "Fit for 55"-Paket) erfordern Investitionen in alternative Antriebe, was die Betriebskosten kurzfristig erhöht.
  • Digitale Sicherheit: Cyberangriffe auf Logistik-IT (z. B. Ransomware auf Tracking-Systeme) können Lieferketten lahmlegen, wie der Vorfall bei DHL Express 2022 zeigte.
  • Infrastrukturlücken: Engpässe bei Schienenkapazitäten oder veraltete Binnenhäfen bremsen den intermodalen Verkehr, besonders in Osteuropa.

Ähnliche Begriffe

  • DHL Global Forwarding: Schwesterdivision der DHL Group, die sich auf Luft- und Seefracht (nicht Straßenverkehr) spezialisiert hat, z. B. für Containertransporte zwischen Kontinenten.
  • DB Schenker: Konkurrenzunternehmen der Deutschen Bahn, das ebenfalls Landverkehre und Kontraktlogistik anbietet, aber mit stärkerem Fokus auf Schienentransporte.
  • Kuehne + Nagel: Schweizer Logistikdienstleister mit ähnlichem Portfolio wie DHL Freight, jedoch mit stärkerer Präsenz in der Seefracht und Kontraktlogistik.
  • LTL (Less Than Truckload): Transportmodell für Teilladungen, bei dem mehrere Kunden eine LKW-Ladung teilen, um Kosten zu sparen – ein Kernbereich von DHL Freight.
  • Intermodaler Verkehr: Kombination aus mindestens zwei Transportmitteln (z. B. LKW + Zug) in einer Lieferkette, ohne dass die Ware umgeladen wird (z. B. via Wechselbrücken).

Zusammenfassung

DHL Freight ist ein zentraler Akteur im europäischen Güterverkehr, der durch die Verknüpfung von Straßen-, Schienen- und digitalen Logistiklösungen effiziente Lieferketten für Industrie und Handel ermöglicht. Das Unternehmen zeichnet sich durch ein dichtes Terminalnetz, spezialisierte Transportdienstleistungen (z. B. Temperaturführung oder Schwergut) und den Einsatz nachhaltiger Technologien aus. Trotz Herausforderungen wie Fahrermangel oder regulatorischen Anforderungen bleibt DHL Freight ein wichtiger Partner für Unternehmen, die zuverlässige und flexible Frachtlösungen benötigen.

Durch die Integration in die DHL Group profitiert das Unternehmen von globalen Synergien, während digitale Innovationen wie KI-gestützte Routenplanung oder IoT-Monitoring die Zukunft der Logistik prägen. Für Kunden aus Branchen wie Automobil, Chemie oder E-Commerce bietet DHL Freight maßgeschneiderte Konzepte, die von Expresslieferungen bis hin zu komplexen Projekttransporten reichen.

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