English: FrankfurtBerlin (high-speed rail project connecting Frankfurt am Main and Berlin) / Español: FrankfurtBerlín (proyecto de ferrocarril de alta velocidad entre Fráncfort del Meno y Berlín) / Português: FrankfurtBerlim (projeto ferroviário de alta velocidade ligando Frankfurt am Main a Berlim) / Français : FrankfurtBerlin (projet de ligne à grande vitesse reliant Francfort-sur-le-Main à Berlin) / Italiano: FrankfurtBerlino (progetto ferroviario ad alta velocità tra Francoforte sul Meno e Berlino)

FrankfurtBerlin bezeichnet ein zentrales Infrastrukturprojekt im deutschen Schienenpersonenfernverkehr, das die beiden Wirtschaftsmetropolen Frankfurt am Main und Berlin durch eine hochleistungsfähige Eisenbahnstrecke verbindet. Das Vorhaben zielt darauf ab, Reisezeiten signifikant zu verkürzen, die Kapazitäten im Schienennetz zu erhöhen und einen Beitrag zur Verkehrswende in Deutschland zu leisten. Als Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes (TEN-T) ist die Strecke von strategischer Bedeutung für die europäische Mobilitätspolitik.

Allgemeine Beschreibung

Die Verbindung FrankfurtBerlin ist eine der meistfrequentierten Schienenrouten Deutschlands und wird primär von der Deutschen Bahn AG betrieben. Die aktuelle Strecke führt über Fulda, Eisenach, Erfurt, Halle (Saale) und Leipzig und ist etwa 577 Kilometer lang. Seit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle im Dezember 2015 konnte die Reisezeit zwischen den beiden Städten auf unter vier Stunden reduziert werden – ein Meilenstein im Vergleich zu den zuvor benötigten fünf bis sechs Stunden. Die Strecke ist für Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h ausgelegt, wobei die Intercity-Express-Züge (ICE) auf den Neubaustrecken Abschnitte mit bis zu 250 km/h befahren.

Die Planungen für eine weitere Optimierung der Verbindung sehen vor, die Reisezeit auf unter drei Stunden zu senken, was eine direkte Konkurrenz zum Luftverkehr darstellen würde. Hierfür sind unter anderem der Ausbau bestehender Abschnitte, die Beseitigung von Engpässen (z. B. im Raum Fulda oder bei der Einfahrt in den Berliner Hauptbahnhof) sowie die Einführung des European Train Control System (ETCS) Level 2 ohne Signale vorgesehen. Die Strecke ist zudem ein zentraler Bestandteil des Deutschlandtakts, der eine taktfahrplanbasierte Verdichtung des Fernverkehrs anstrebt.

Aus logistischer Sicht ist FrankfurtBerlin nicht nur für den Personenverkehr von Bedeutung, sondern auch für den Gütertransport, insbesondere für den kombinierten Verkehr (LKW-Zug-Systeme) und den Transport von Containern zwischen den Seehäfen Hamburg und Bremerhaven und den Wirtschaftsräumen im Süden Deutschlands. Die Strecke kreuzt mehrere wichtige Güterverkehrskorridore, darunter die Achse Rotterdam–Genua (Rhein-Alpen-Korridor) und die Verbindung Skandinavien–Mittelmeer.

Finanziert wird das Projekt durch Mittel des Bundes, der Europäischen Union (über den Kohäsionsfonds und die Fazilität "Connecting Europe") sowie durch Eigenmittel der Deutschen Bahn. Die Gesamtkosten für den Ausbau bis 2030 werden auf mehrere Milliarden Euro geschätzt, wobei die genauen Zahlen aufgrund laufender Planungsanpassungen variieren. Kritische Stimmen monieren dabei gelegentlich die Kostenexplosionen bei Großprojekten der Bahn, während Befürworter auf die volkswirtschaftlichen Vorteile durch Zeitersparnis, Emissionsreduktion und Entlastung der Straßen verweisen.

Historische Entwicklung

Die Geschichte der Eisenbahnverbindung zwischen Frankfurt am Main und Berlin reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die erste durchgehende Verbindung wurde 1848 mit der Eröffnung der Thüringer Bahn (Halle–Bebra) fertiggestellt, die eine Lücke zwischen der Leipzig-Halle-Magdeburger Eisenbahn und der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn schloss. Diese Strecke führte jedoch nicht über Erfurt, sondern über Bebra und Gerstungen, was Umwege und längere Reisezeiten zur Folge hatte. Erst mit dem Bau der Kanonenbahn (1875–1882), einer strategisch-militärischen Strecke zwischen Berlin und Metz, entstand eine direkte Verbindung über Erfurt, die später zur Hauptachse des Fernverkehrs wurde.

In den 1990er-Jahren begann die Deutsche Bundesbahn (und später die Deutsche Bahn AG) mit der Planung von Neubaustrecken für den Hochgeschwindigkeitsverkehr. Die Strecke Hannover–Würzburg (in Betrieb seit 1991) und die Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin (2004) waren dabei Vorläuferprojekte, die jedoch nicht direkt auf die Relation FrankfurtBerlin abzielten. Der entscheidende Schritt erfolgte mit dem Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8), das den Neubau der Strecke Erfurt–Leipzig/Halle sowie die Sanierung der Bestandsstrecke zwischen Ebensfeld und Erfurt umfasste. Die Inbetriebnahme dieser Abschnitte 2015 markierte einen Wendepunkt, da seither eine durchgehende Hochgeschwindigkeitsverbindung besteht.

Aktuell laufen Planungen für das Projekt "VDE 9" (Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 9), das den Ausbau der Strecke zwischen Fulda und Gerstungen (sogenannter "Fulda-Gap") sowie die Elektrifizierung und den zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen Berlin und der polnischen Grenze (Berlin–Küstrin-Kietz–Poznań) vorsieht. Diese Maßnahmen sollen nicht nur die Kapazität erhöhen, sondern auch die Anbindung an das polnische und weitere osteuropäische Schienennetze verbessern.

Technische Details

Die Strecke FrankfurtBerlin setzt sich aus mehreren Abschnitten mit unterschiedlichen technischen Parametern zusammen. Die Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle (VDE 8) ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h ausgelegt, wird im Regelbetrieb jedoch mit 250 km/h befahren. Die Strecke ist mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS Level 1 (LS – Limited Supervision) ausgestattet, das schrittweise auf Level 2 umgestellt werden soll, um die Kapazität zu erhöhen. Die Gleise liegen auf einem Festen Fahrbahn-System (meist Rheda 2000 oder Züblin), das Wartungsintervalle verlängert und die Lebensdauer der Infrastruktur erhöht.

Ein kritischer Abschnitt ist die sogenannte "Fulda-Gap" zwischen Fulda und Gerstungen, die derzeit nur eingleisig und mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h befahrbar ist. Hier sind Kurvenradien von teilweise unter 1.000 Metern und Steigungen von bis zu 25 Promille (2,5 %) zu überwinden, was die Geschwindigkeit begrenzt. Der geplante Ausbau sieht eine Begradigung der Trasse, den zweigleisigen Ausbau und die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit auf 230 km/h vor. Zudem soll die Strecke zwischen Frankfurt und Fulda (Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg) durch zusätzliche Überholgleise entlastet werden, um Verspätungen zu reduzieren.

Im Bereich der Energieversorgung kommt auf der gesamten Strecke das deutsche Bahnstromsystem (15 kV, 16,7 Hz) zum Einsatz. Die Oberleitungen sind für Geschwindigkeiten bis 300 km/h ausgelegt, wobei in Kurvenbereichen spezielle Stützpunkte (sogenannte "Y-Stützen") zum Einsatz kommen, um die mechanische Belastung zu verringern. Die Züge auf der Relation FrankfurtBerlin werden überwiegend mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben, wobei die Deutsche Bahn bis 2038 eine vollständige Klimaneutralität anstrebt.

Anwendungsbereiche

  • Personenfernverkehr: Die Strecke ist eine der wichtigsten ICE-Linien Deutschlands und wird stündlich von Zügen der Linien ICE 11 (Berlin–Frankfurt–Mannheim–Stuttgart), ICE 12 (Berlin–Frankfurt–Basel) und ICE 50 (Dresden–Leipzig–Frankfurt) bedient. Zudem verkehren Nachtzüge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) auf dieser Relation, die Berlin mit Zürich und Wien verbinden.
  • Güterverkehr: Die Achse Frankfurt–Berlin ist ein zentraler Korridor für den kombinierten Verkehr (z. B. Containerzüge zwischen den Seehäfen und den Wirtschaftsräumen Süddeutschlands) sowie für den Transport von Industriegütern, Chemieprodukten und Agrarerzeugnissen. Besonders die Streckenabschnitte zwischen Fulda und Halle sind stark durch Güterzüge belastet.
  • Regionalverkehr: Parallel zum Fernverkehr nutzen Regionalexpress-Linien (z. B. RE 50 zwischen Frankfurt und Erfurt oder RE 10 zwischen Leipzig und Berlin) Teile der Strecke, wobei diese Züge meist auf die Bestandsstrecken ausweichen und nicht die Neubaustrecken befahren.
  • Europäische Anbindung: Die Strecke ist Teil des TEN-T-Kernnetzes und verbindet die nordwesteuropäischen Häfen (Rotterdam, Antwerpen) mit den osteuropäischen Märkten (Warschau, Prag). Über Berlin besteht eine direkte Anbindung an die Rail Baltica, die bis 2030 eine durchgehende Hochgeschwindigkeitsverbindung nach Tallinn (Estland) schaffen soll.

Bekannte Beispiele

  • ICE 4 auf der Relation Berlin–Frankfurt: Die neueste Generation der ICE-Züge (Baureihe 412) wird seit 2017 auf der Strecke eingesetzt und bietet mit bis zu 834 Sitzplätzen eine höhere Kapazität als die Vorgängerbaureihen. Die Züge sind für eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zugelassen und verfügen über moderne Komfortmerkmale wie WLAN, Steckdosen an jedem Sitz und barrierefreie Einstiege.
  • Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle: Dieser 123 Kilometer lange Abschnitt wurde zwischen 1996 und 2015 gebaut und ist eines der teuersten Infrastrukturprojekte der deutschen Eisenbahngeschichte (Kosten: ca. 10 Milliarden Euro). Die Strecke verläuft zu 70 % in Tunneln oder auf Brücken, darunter der 8.364 Meter lange Finnetunnel bei Mühlhausen (Thüringen).
  • Berliner Hauptbahnhof: Der 2006 eröffnete Hauptbahnhof ist einer der größten Kreuzungsbahnhöfe Europas und dient als zentraler Knotenpunkt für die Relation FrankfurtBerlin. Mit 16 Gleisen auf zwei Ebenen (Fernverkehr oben, Regionalverkehr unten) und einer täglichen Frequenz von über 300.000 Reisenden ist er ein Schlüsselprojekt der deutschen Verkehrsinfrastruktur.
  • Fuldaer Tunnel: Der 10.007 Meter lange Tunnel zwischen Fulda und dem Bahnhof Mottgers ist Teil der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg und wird von allen Zügen auf der Relation FrankfurtBerlin durchfahren. Er war bei seiner Eröffnung 1988 der längste Eisenbahntunnel Deutschlands und ist bis heute ein wichtiger Engpass, da er nur zweigleisig befahrbar ist.

Risiken und Herausforderungen

  • Kostenüberschreitungen und Verzögerungen: Wie bei vielen Großprojekten der Deutschen Bahn kam es auch bei FrankfurtBerlin zu erheblichen Verzögerungen und Kostensteigerungen, insbesondere beim Bau der Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle. Ursachen waren unter anderem geologische Herausforderungen (z. B. Gipskeuper im Thüringer Becken), Planungsfehler und politische Streitigkeiten über Trassenführungen.
  • Kapazitätsengpässe: Trotz des Ausbaus bleibt die Strecke an einigen Punkten überlastet, insbesondere im Raum Fulda (wo Fern- und Güterverkehr dieselben Gleise nutzen) und bei der Einfahrt in den Berliner Hauptbahnhof. Hier führen Verspätungen eines Zuges oft zu Kettenreaktionen im gesamten Netz.
  • Lärmbelastung und Akzeptanzprobleme: Der Ausbau der Strecke hat in einigen Regionen zu Protesten der Anwohner geführt, insbesondere wegen des durch Hochgeschwindigkeitszüge verursachten Lärms. Obwohl moderne Lärmschutzmaßnahmen (z. B. Schallschutzwände, lärmoptimierte Bremsen) eingesetzt werden, bleibt dies ein kontroverses Thema.
  • Klimaziele und Energieeffizienz: Obwohl die Bahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel gilt, ist der Strommix der Deutschen Bahn noch nicht vollständig klimaneutral. Zudem führt die hohe Auslastung der Strecke zu einem erhöhten Energiebedarf, der durch den Ausbau erneuerbarer Energien gedeckt werden muss.
  • Grenzüberschreitende Koordination: Die Anbindung an das polnische Schienennetz (z. B. über die Strecke Berlin–Poznań) erfordert eine enge Abstimmung mit den polnischen Eisenbahnbehörden, insbesondere bei der Umsetzung von ETCS und der Harmonisierung der Zugsicherungssysteme.

Ähnliche Begriffe

  • Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE): Ein Bündel von Infrastrukturprojekten, die nach der Wiedervereinigung 1990 initiiert wurden, um die Verkehrsverbindungen zwischen Ost- und Westdeutschland zu modernisieren. FrankfurtBerlin ist eng mit den VDE-Projekten 8 (Erfurt–Leipzig/Halle) und 9 (Fulda–Berlin) verknüpft.
  • Deutschlandtakt: Ein Konzept des Bundesverkehrsministeriums, das einen integrierten Fahrplan für den Schienenpersonenfernverkehr vorsieht, um Taktungen zu optimieren und Umsteigezeiten zu minimieren. Die Strecke FrankfurtBerlin ist eine der Hauptachsen dieses Systems.
  • TEN-T-Kernnetz: Das transeuropäische Verkehrsnetz (Trans-European Transport Network) ist ein EU-Programm zur Schaffung eines nahtlosen Verkehrsnetzes in Europa. Die Achse Frankfurt–Berlin ist Teil des Kernnetzkorridors "Skandinavien–Mittelmeer".
  • Kombinierter Verkehr: Ein Logistikkonzept, bei dem Güter auf der Schiene und der Straße transportiert werden (z. B. Container, die per LKW zum Terminal gebracht und dann auf Züge verladen werden). Die Strecke FrankfurtBerlin ist eine wichtige Nord-Süd-Achse für diesen Verkehr.
  • ETCS (European Train Control System): Ein europaweites Zugsicherungssystem, das nationale Systeme wie das deutsche PZB (Punktförmige Zugbeeinflussung) ersetzen soll. Auf der Strecke FrankfurtBerlin wird ETCS schrittweise eingeführt, um die Interoperabilität mit anderen europäischen Netzen zu gewährleisten.

Zusammenfassung

Die Relation FrankfurtBerlin ist eine der wichtigsten Schienenverbindungen Deutschlands und verbindet zwei der größten Wirtschaftsräume des Landes. Durch den Ausbau der Neubaustrecken, insbesondere im Rahmen des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8, konnte die Reisezeit seit 2015 auf unter vier Stunden gesenkt werden. Aktuelle Planungen zielen darauf ab, diese Zeit weiter zu reduzieren und die Kapazitäten durch den Ausbau von Engpässen (z. B. Fulda-Gap) und die Einführung moderner Zugsicherungssysteme (ETCS) zu erhöhen. Die Strecke ist nicht nur für den Personenfernverkehr von zentraler Bedeutung, sondern auch für den Gütertransport und die europäische Vernetzung im Rahmen des TEN-T-Netzes.

Trotz der Fortschritte bleiben Herausforderungen wie Kostenüberschreitungen, Kapazitätsengpässe und Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung bestehen. Langfristig soll FrankfurtBerlin jedoch eine Schlüsselfunktion in der deutschen und europäischen Verkehrswende einnehmen, indem sie eine attraktive Alternative zum Luft- und Individualverkehr bietet und zur Erreichung der Klimaziele beiträgt.

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